Auszüge aus einem Gespräch mit Franz-Josef Goller

Die hier abgedruckten Passagen sind nur Auszüge aus einem über eine Stunde dauernden, sehr interessanten Gespräch. Wir bedanken uns ganz herzlich für die vielen schönen Geschichten und deine Zeit, lieber Franz-Josef!
Für das bessere Verständnis wurden manche Passagen im Sinne der Chronologie etwas verschoben.
Geführt und aufgezeichnet von Hans-Josef Grüterich und Esther Klein im August 2021.


Franz-Josef: Also sollen wir nicht mal da anfangen, wo die Kirche gebaut worden ist?

Esther: Wir können gerne vorne anfangen. Ich schreib einfach so ein bisschen mit.

Franz-Josef: Sonst hast du nachher alles durcheinander. Ja, die Egener gingen da ja nach Wipperfürth in die Kirche. Da war ja hier nichts, das war vor 1850. Das war denen aber auch zu weit, dass sie immer zwei Stunden nach Wipperfürth in die Kirche liefen. Da haben die überlegt und wollte eine eigene Pfarrgemeinde gründen. Eine eigene Kirche bauen. Und dann haben die überlegt: „Wie machen wir das denn? Wo kommt die Kirche hin?“ und dergleichen. Zu der Zeit hatten die ja die Schule in Kotten. Dann sagten die unten in Kotten: „Die Kirche muss bei der Schule sein“. Da waren andere dann aber auch wieder gegen. Und dann haben sie nachher beschlossen: „Nein, die Kirche kommt nicht nach Kotten, die kommt nach Egen. Das ist der höchste Punkt und da muss die Kirche hin.“ Und das war auch der vernünftigste Gedanke, meine ich. Stell dir vor die stünde im Kotten, oder? Aber die sollte nicht nur nach Kotten, die sollte auch nach Beinghausen. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, weißt du das Hans-Josef? Da hat ein Grüterich darum gekämpft, dass die Kirche nach Beinghausen sollte. Da hat er da aber ja kein Recht bekommen. „Die Kirche kommt nach Egen!“ Dann hat er testamentarisch festlegen lassen, dass er auf dem Egener Friedhof, die bekamen ja auch einen Friedhof dazu, nicht beerdigt sein wollte. (lacht)

Hans-Josef: Ach, echt?

Franz-Josef: Er wollte in Wipperfürth beerdigt werden, weil er immer nach Wipperfürth gelaufen ist. Aus Protest, dass die Kirche nicht nach Beinghausen kam hat er das testamentarisch so festgelegt: „Ich will in Wipperfürth beerdigt werden.“

Hans-Josef: Das ist doch dann mein Urgroßopa gewesen?

Franz-Josef: Ururgroßvater, oder?

Esther: Kann das sein, dass der Wilhelm hieß? Damals, das habe ich irgendwo gelesen, als die Kirche gebaut wurde, da werden in dem Zusammenhang immer sechs oder sieben Männer genannt. Unter anderem Anton Schmal, der nämlich dann das Grundstück oben in Egen für die Kirche gestiftet hat. Und auch ein Wilhelm Grüterich wird genannt.

Franz-Josef: Ja, da waren mehrere die sich dafür interessierten. Und dann ist die Kirche eben gebaut worden, das haben nur Egener Bürger gemacht. Da gab es ja in der Zeit schon Handwerker und dergleichen. Die haben die Steine unten bei Wurths auf der Weide, wo wir immer Schlitten runtergefahren sind, wo es so steil war, da haben die die Steine gebrochen. Und die sind alle mit Pferd und Kutsche hierauf gezogen worden nach dem Egen. Für das Schiff, ohne Turm. Die Kirche ist aus Egener Eigeninitative gebaut worden. 1851 ist die Kirche dann eingeweiht worden, da war die soweit fertig. Hatten sie die stehen. Und da kommt also der Pastor Koch nach Egen und der hat sich dafür eingesetzt, dass der Turm und auch der Chorraum vorne noch an der Kirche angebaut wurden. Wie er das dann fertiggebracht hat und so, das weiß ich nicht. Aber wenn hier ein Pastor ausfiel, dann kam er immer von der Hasenburg, da hatte er sein Zimmer. Und der war sich auch nicht zu bange wenn irgendwas war einem rechts und links an die Schnute zu hauen. (lacht) Dann sagte er immer „Meine Hände sind eigentlich nicht dafür geeignet, aber es musste jetzt mal sein.“
Auf der Feier, wie die Kirche wieder eingeweiht wurde, mit dem Turm und dem Chorraum, da hat Tante Luzia, also meine Tante, ein Gedicht aufgesagt. 1911 war das, da ist die Kirche eingeweiht worden.
Das war eine Firma aus Rade, die das Zimmerwerk und den Turm gemacht haben. Ich weiß aber nicht, wie die hieß. Die Kirche war innen verputzt mit Zementputz. Und die war bemalt mit Figuren. Habt ihr auch nicht mehr gesehen, oder?

Esther: Ich hab mal ein Bild gesehen, so ein ganz altes.

Franz-Josef: Ganz altes!? Die habe ich verkauft! Als Messdiener bin ich die Runden gefahren. Auf dem Bild war der Koch mit drauf. Und da war wieder mal kein Pastor in Egen, da kam einer der frug mich, ob ich als Messdiener mitführe. „Dann zeigst du überall, ob die die Bilder kaufen wollen.“ Hab ich 52 Bilder verkauft, mit dem Mann. Ich kriegte da ein 1 oder 2 Mark für, ich weiß es nicht mehr genau. Da bin ich mit dem auf dem Motorrad rumgefahren und dann haben wir die Bilder verkauft. 52 Stück. Und die ganzen Gemälde, die waren da noch drauf. Also die alten aus der Kirche. Aber dann schlugen da immer die feuchten Flecken durch. Und die Ursache dafür war, weil die mit Zement verputzt war. Da musste der ganze Putz abgehauen werden und da waren auch die ganzen Bilder weg. Und dann wurde die Kirche mit Kalkspeis verputzt. Und dann sind keine neuen Bilder mehr draufgekommen.

Esther: Aber war nie die Überlegung, dass man die Bilder nochmal neu malt?

Franz-Josef: Nein, ich war aber nicht im Kirchenvorstand dabei. Aber das hab ich nie gehört. Bloß der Chorraum, der passte nicht mehr dazu. Die Kirche war jetzt einfacher, sollte nicht mehr so bunt sein wie vorher, so hieß es damals.

Hans-Josef: Aber die Decke, die war doch auch bemalt?


Franz-Josef: Ja, die ganze Decke war bemalt. Die haben sie dann mit Blau übermalt, so ähnlich wie jetzt. Das war die gleiche Zeit.


Hans-Josef: Ich hab da mal ein Bild von gesehen, wie die Decke aussah.


Franz-Josef So einen riesen Kronleuchter, hast du den noch gekannt, wo sie immer mit der Fahne drin hängen blieben? Sobald sie in die Kirche reinzogen sind, da hingen sie mit der Fahne im Kronleuchter. (lacht)


Franz-Josef: Die Kirche war damals mit drei Glocken bestückt. Und dann kam der Krieg. Da kamen die Nazis und haben die Glocken wieder aus der Kirche rausgeholt. Nur die Kleine haben sie hängengelassen, aber zwei waren weg. Und an die Kleine kam dann eine Kordel dran, da konnten wir noch immer läuten. Da mussten wir Messdiener immer gehen während der Messe, wenn Wandlung war und so. Und da war neben dem Strick wo wir läuten mussten, da war dann auch noch so ein Tretbalken von der Orgel. Heute ist da ein elektrischer Propeller dran. Aber damals war das so ein Tretbalken. Und dann gingen wir dahin und traten auf den Tretbalken. Dann ging da so ein Pinn hoch (zeigt über Kopf hoch). Jedes Mal wenn wir da waren haben wir auch das Ding vollgepumpt. (lacht)


Und früher war da [an der Orgel] kein Motor angeschlossen und nichts. Unser Vater, in seiner Zeit, die mussten dann da oben immer als Messdiener zum Treten hoch, damit die Orgel ging. Und wenn sie dann was langsam traten, dann … (summt eine langsame, schiefe Melodie und lacht) „Tret, tret, tret“ schrie der [Organist] dann immer, das war der Flecks Ludowig.

Den habe ich noch gekannt, der wohnte auf Sonnenschein. Wenn du von Hohenbüchen nach Graben runtergehst, da war Sonnenschein. Da war ein Haus am Hang, direkt unterhalb von unserem Wald. Und von da ging der fast jeden Morgen nach dem Egen. Um 7 Uhr war Messe, da ging der in die Messe und hat da Orgel gespielt. Der Clemens war schon verantwortlich dafür, der Wiggers Clemens, aber der Ludowig, weil der das noch konnte, der machte das immer. Und wir waren schon um 10, 11 Uhr auf dem Feld am Birkenbaum am Runkeln hacken und dergleichen, da kam er an. Vater strunzte noch ein paar Worte mit ihm. Sagte: „Jetzt küsst du ut der Kerke.“ Was der den ganzen Morgen da gemacht hat, das weiß keiner. (lacht) Da war das schon 10, 11 Uhr, da ging der nach Hause nach dem Sonnenschein.


Und in der Zeit war auch noch immer noch Kirmes auf dem Egen. Die letzte Kirmes habe ich noch miterlebt. Auf jeden Fall hatten die Egener einen Musikverein, der teilte sich auf beide Säle auf. Die eine Hälfte beim Wigger, die anderen Hälfte beim Wurth. Dann wurde da getanzt. Immer auf den Sonntag nach Fronleichnam, da war dann da großes Fest auf dem Egen. Und der Flecks Ludowig, der musste dann auch in der Andacht die Orgel spielen. Da gab es nichts anderes, da fiel nicht die Andacht aus. Und da spielte der Ludowig, anstatt das der dann Kirchenlieder spielte (singt): „Puppchen, du bist mein Augenstern.“ (lacht) War der dicke voll und ist am Orgel spielen. Da haben wir lange drüber gelacht.

Hans-Josef: Wurde denn die Kirmes von dem Kirchenvorstand organisiert?

Franz-Josef: Wer das organisiert hat, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass da die Musikkapelle original 28 Leute war. Nannten sich dann Feuerwehrkapelle, aber für die Kirche spielten die auch grundsätzlich alles. Alles Egener! Und die gingen morgens um 5 Uhr trainieren auf dem Egen, dann spielten die. Zogen über den Egen, rauf und runter, und nach Birkenbaum und überall hin. Jeden Sonntagmorgen war Probe.

Franz-Josef: Unser Vater war auch dabei. Dann mussten die anderen, die Geschwister, die Arbeit in der Zeit halt machen. Er ging morgens um 5 Uhr nach dem Egen und da war Probe vom Musikverein. Und die standen dann auch zur Verfügung, wenn die Kirche was hatte, dann waren die da.

Und dann - die Glocken waren ja weg- kamen auch neue Glocken. Die Egener hatten überlegt neue Glocken anzuschaffen, bekamen aber keinen Zuschuss und dergleichen. Da haben sie gesammelt. Das weiß ich noch gut, wie wir gesammelt haben. Wir mussten als Messdiener rumlaufen und überall sammeln. Auf dem Vossebrechen wohnte der Wiggers Robert, der hatte da eine Werkstatt, der war Schreiner. Und der machte alles: wenn ein Haus gebaut wurde machte der auch das Zimmerwerk. Der war Junggeselle. Hatte zwei Leute am Arbeiten: Franz-Werner Beul und Herbert Brügger, der wohnte auch auf dem Sonnenschein. Und der Robert, dem ging es finanziell wohl nicht schlecht, der hat hauptsächlich für die Glocken gespendet, dass die wieder nach Egen kamen. Das war ihm sein Hauptanliegen. Es dauerte, bis dass die Glocken mal fertig waren und installiert werden konnten - erst musste der Turm verstärkt werden, da mussten noch Querstreben eingebaut werden, dass die Glocken nicht mit dem Turm runter kamen. Dann waren die Glocken aber soweit fertig, konnten läuten, waren aber noch nicht eingeweiht. Da bin ich mit dem Vater im Herbst am Futterrüben pflücken hinten auf der Weide und auf einmal läuten drei Glocken. Da sagte unser Vater: „Es ist nicht möglich. Jetzt ist der Wiggers Robert gestorben.“ Ich sag: „Warum?“ Da hatte der vereinbart, weil er ja das meiste Geld gestiftet hatte, dass wenn er das [die Einweihung] nicht mehr mitmachen könnte, also wenn er vorher stürbe, dann wünschte er sich, dass die Glocken läuten, alle drei. Und da sagte der Vater: „Jetzt ist der Robert gestorben.“ Tatsächlich war das so.
Die Glocken hat der Benno Theunissen damals mit dem Trecker geholt, mit seinem Unimog. Oben hinter Münster. Das war der jüngere Bruder vom Herbert. Und der ist nach Greven oben gefahren, wo die Gießerei ist, die ist auch heute noch da, und hat die Glocken geholt. Die dickste wog 14 Zentner, das weiß ich noch, die zweite Sieben Zentner und die kleine sollte bei Vier rum wiegen, Drei oder Vier. Und die Glocken wurden erst einmal vorne im Turm aufgebaut. Da durften wir Messdiener jeder mal mit einem Hammer da dran kloppen. Einen Schlag durften wir dann mal machen. Und dann wurden die Glocken nach oben
transportiert. Da mussten dann wieder die Egener helfen, dass die raufkamen. Von Rade kam da ein Bauunternehmer, der hatte die Kräne und sowas.

Hans-Josef: Das mussten aber alles die Egener selber machen? Da hat Wipperfürth sich nicht dran beteiligt?

Franz-Josef: Nein, das waren alles die Egener. Da hat Wipperfürth keinen Handschlag dran getan. Weil Egen eine eigene Pfarrgemeinde war. Wir hatten ja auch einen eigenen Friedhof. Da haben sie damals, das weiß ich noch gut, drum gekämpft, der Josef Beinghaus und da war auch der Breidenbachs Bernhard dran, dass die Stadt Wipperfürth den Friedhof übernommen hat. Da hatten die Egener finanziell immer Sorgen mit und dann haben sie den Friedhof nach Wipperfürth abgegeben, an die Stadt. Das war ein Kampf, ich weiß auch nicht genau, wie sie das gemacht haben.

Franz-Josef: Und dann kamen in der Zeit aus Köln Vertreter von der Landjugend, so nannten die sich, und wollten versuchen auf dem Egen eine Landjugendgruppe zu gründen. Da war ich gerade aus der Schule, 14 Jahre alt, als wir das gemacht haben. Da wurde der Benno Theunissen gewählt als Vorsitzender, ich sollte den Schriftführer machen. Den hab ich aber abgelehnt, weil ich in dem Jahr nach Aachen in die Lehre ging. Aber auf jeden Fall ist da die Landjugendgruppe gegründet worden. Der Benno hat das ein paar Jahre gemacht und anschließend ist glaube ich schon der Helmut drangekommen.

Esther: Helmut Beul?

Franz-Josef: Ja. Und Marlies Berger. Die zwei haben das dann weitergemacht. Und wir haben ja dann auch eine freiwillige Musikkapelle gebildet mit drei Burschen. Da war der Heinz Goller drin, der Heini Zimmermann - der war auf dem Egen als Flüchtling in die Schule gegangen und dann sind die nach Hämmern gezogen. Der Heini ist nach Wipperfürth in den Musikverein gegangen und hat da komplett Schlagzeug nach Noten spielen gelernt. Der konnte das. Und den haben wir nachher wiedergefunden und dann haben wir zu Dritt eine Musikkapelle gemacht.

Esther: Und du warst der Dritte?

Franz-Josef: Ich war der Dritte.

Franz-Josef: Und dann wurde ja das Jugendheim gebaut. Da kam ein Bagger, der baggerte da aus für die Firma Schneider, die das Jugendheim baute. Dann kriegten wir vom Architekt Bescheid, das Loch sei nicht tief genug. Da müssten die Egener kommen und noch 30 cm tiefer ausschachten. Dann sind wir nachmittags nach der Schule also dahin gegangen und haben da ausgeschachtet. Und dann mit Hand das Zeug aus der Kuhle rausgeschmissen. War ja schon tief ausgebaggert mit dem Bagger, aber eben nicht tief genug. Da kommt
später die Firma Schneider und will bauen, da sagt die: „Was ist das denn? Das ist doch viel zu tief das Loch.“ Da haben die all das was wir da rausgeschmissen hatten wieder reingeschmissen. (lacht) Das war unsere erste Arbeit am Jugendheim.

Franz-Josef: Auf jeden Fall kam nachher Pastor Schlösser. Wenn man irgendwann mal die Stühle wegräumen wollte [im Jugendheim] oder dergleichen, hätten sie ja keinen Platz die irgendwohin zu stellen. Und da war man am überlegen, es wäre doch ideal wenn man einen Anbau hätte, an der Seite, wo man die Pröttel alle reinstellen könnte. Ich hatte in der Zeit schon überall mal beim Bauen geholfen und so, und dann hab ich die Hütte da dran gebaut. Einmal kam die Frau Schlösser raus: „Ey, was machst du wieder da? So ein Saudingen da hinbauen, damit ich keine Kirche mehr sehen kann“, sagte die (auf Platt). (lacht) Da kriegte ich Schengens von der.

Esther: Das war die Haushälterin von Pastor Schlösser?

Franz-Josef: Die Mutter von ihm. Im Winter war er [Pastor Schlösser] eingeschneit. Und ich hatte so einen Schneepflug und schob bis nach dem Egen. Da bin ich auch unten nach dem Jugendheim hingefahren und hab da freigeschoben. Da kam die Frau Schlösser: „Du musst zuerst hier unten alles freimachen. Der Junge ist heute morgen nicht nach der Arbeit gekommen, der hat sich abgemeldet, er wäre eingeschneit. Mach das mal frei, dass der wieder rauskommt.“ Ja, ich hab also alles freigeschoben. Vor der Haustür und dann auch runter seine Garage freigeschoben.
Und wie ich alles frei hatte, ich fahr rückwärts wieder rauf, steht der Schlösser in der Tür: „Ey, was machst du denn?“ Ich sag: „Wieso, was ist?“ „Ich hab mich abgemeldet ich wäre eingeschneit. Jetzt machst du alles weg!“ (lacht) Ich sag: „Das gibt es nicht. Ihre Mutter hat mir gesagt ich soll hier alles freimachen.“ Da war der richtig am schengen: „Schieb wenigstens einen Haufen vor die Garage, dass die Garage nicht aufgeht.“ Hab ich ihm wieder einen Haufen dahingeschoben. (lacht)

Franz-Josef: So ging das. Dann haben wir also den Anbau gemacht und die Drainage drum herum gelegt. Da lief immer Wasser in das Jugendheim rein, da hab ich die Drainage da drum rum gelegt.


Esther: Aber da waren bestimmt auch noch andere dabei?


Franz-Josef: Ja sicher! Püttmanns Erwin, der hat mir das Meiste dabei geholfen. Da waren immer ein oder zwei die geholfen haben, z.B. Hans Rademacher oder Max Grüterich. Und dann haben wir auch die Sakristei gebaut, da musste was gemacht werden. Das war alles mit Antrieb von Pastor Schlösser. Ja, in Eigenregie. Ich weiß es nicht, irgendwo bekam der einen Zuschuss her, aber da kriegten wir die nicht für gebaut. Wir mussten das in

Eigenleistung machen, anders schafften wir das nicht. Wir haben die Firma Schneider angesprochen, wie das [mit Hilfe] wär. Die wollten uns den Bernhard Herweg, vom Rudi ein Bruder, schicken, der war Maurer. Der könnte uns dann mal tageweise helfen. Der kam aber meistens dann, wenn wir noch am ausschachten waren. Er sagte dann: „Macht ihr das, macht das, ich hab keine Zeit.“ Dann haben wir die Sakristei alleine gebaut.
Da haben dann auch viele geholfen. Der Ackerschotts Rudi, der ist bald jeden Tag gekommen und hat mir geholfen. Waren immer ein, zwei Mann mit dabei. Dann hab ich den Egenern gesagt: „Wenn mal Bombenangriff ist oder dergleichen, dann flüchtet in den Anbau von der Sakristei.“ Da haben wir oben eine Decke reinmachen müssen laut Architekt. (lacht und schüttelt den Kopf) Oben steht ein Kantholz in der Mitte unter dem First vom Dach und weil der Pinn da steht, mussten wir eine Decke reinziehen, da kamen Matten rein, sowas hab ich in der ganzen Zeit wo ich gebaut habe nicht gesehen. „Deshalb“, hab ich damals immer schon gesagt, „wenn mal ein Angriff ist, flüchtet hier rein. Wenn da mal eine Bombe drauf fällt, habt ihr vielleicht eine Chance.“

Franz-Josef: Und am Ende der Baumaßnahmen, da kommt der Schlösser an und sagt: „Wir haben noch 12.000 Mark übrig. Und der Architekt will da noch ein Fenster reinbauen, da will der die 12.000 Mark für brauchen.“ Ich sag: „Dafür haben wir umsonst hier geschuftet, dass der da jetzt unser Geld für nutzen soll?“ „Dann unterhalt du dich mit dem, sag dem das!“ Und dann eines Sonntagsmorgen war der Architekt da. Hab ich mich mit dem in der Sakristei gefetzt. Ob das der richtige Ort war weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall sind wir dann so verblieben, er ließ das Fenster nicht bei der Firma bauen, die 12.000 Mark haben wollte. Aber eingebaut hat er das und dann musste da doch auch Glas rein. Jetzt sollte das Glas was jetzt drin ist, ich glaube von außen es ist dran, müsst ihr mal gucken, das sollte eigentlich Doppelglas sein. Das einfache Glas ist damals reingeklebt worden und in den zweiten Rahmen sollten noch bunte Gläser rein. Da sollten die 12.000 Mark mit verrechnen werden. Also wurde das Fenster eingebaut, mit den Scheiben von außen, die sind heute noch drin. Und die bunten Fenster innen fehlen heute noch, die sind bis jetzt noch nicht drin. Das war der Erfolg davon. Ja, der ließ sich nicht viel sagen, der Architekt von Köln. Aber ab und zu musste man dem auch mal die Meinung sagen.


Franz-Josef: Dann sollte das Pfarrhaus renoviert werden. Da war ein Balken faul, außen in dem Fachwerk. Der [Architekt] wollte Gott weiß was machen, aber da haben wir uns gewehrt. Ich sagte: „Kommt gar nicht in Frage, der Balken ist neu reinzumachen. Wenn Sie den nicht reinkriegen, dann machen wir ihn rein“.


Esther: Zu dem Zeitpunkt warst du im Kirchenvorstand?


Franz-Josef: Da war ich im Kirchenvorstand. 19 Jahre war ich da drin. Auf jeden Fall kam er [der Architekt] dann nachher an, die Egener hätten ja Recht und er wollte die ganze Wand verschiefern, von oben bis unten. „Nein“, hab ich gesagt, „kommt nicht in Frage.“ Er kann oben verschiefern, aber unten bleibt Fachwerk. Hat er sich dann auch mit abgefunden.


Hans-Josef: In dem Zuge ist dann auch der Altar neu gestaltet worden?


Franz-Josef: Nein, das ist schon wieder später gewesen. Ach ja, das haben wir ja auch noch gemacht. Dann hatten wir den Architekt von Köln wieder da. Der wollte eigentlich gar nichts machen: „Ist doch alles in Ordnung hier.“


Esther: Den hat die Kirche aber ausgewählt und euch zugewiesen? Den Architekten aus Köln?


Franz-Josef: Den mussten wir einbeziehen. Da konnten wir nichts dran machen, der Architekt musste dabei sein. Und da kommt der und sagt: „Was wollt ihr denn alles hier noch renovieren?“ Da geht der Blanken hin, der war zu der Zeit da, und nimmt den Vorhang von dem Altar weg: „Ist hier alles in Ordnung?“ Da guckte der [Architekt] blöd. Da waren hinter dem Tüchlein bloß Holzbretter. Der alte Altar war nicht viel. Aber in Niederwipper hatten sie den Altar mit Bruchsteinen gemauert. Und da haben wir gesagt, das ist doch was bergisches, das passt in unsere Gegend. Dann könnte man den Altar doch auch mit bergischen Steinen mauern. Wir bekamen dann einen schriftlichen Bescheid aus Köln, dass man damit einverstanden wäre, wenn wir einen Altar errichten würden der aus Bergischen Steinen sei. Wir sollten aber vorher eben ein Bild davon schicken oder dergleichen, wie wir das vorhätten. Und da haben wir das dann über den Stietz, den hatten wir immer an der Hand …


Hans-Josef: Architekt Stietz.


Franz-Josef: Ja, mit dem haben wir das dann entworfen und die Sachen nach Köln geschickt. Da kriegten wir von Köln zurück: „Fachleute von Egen, macht was ihr vorhabt.“ Da hatten wir das durch. Theunissens Herbert und ich sind dann nach Lindlar gefahren. Dann haben wir mit denen [im Steinbruch] gesprochen. „Ja, kein Problem, das machen wir euch.“ Wir haben die Maße angegeben, wie groß der Altar werden sollte. Und die Steine, wie sie die formten und machten, das haben wir denen überlassen. „Dat mäck wie schon.“ Vom ersten bis zum letzten Stein war dann eine Nummer drunter geschrieben und so haben sie die Steine nach dem Egen geliefert und so mussten die aufgebaut werden. Ja, und dann haben wir überlegt. Die [anderen] sagten: „Bau du den dahin, kriegst du das geschafft?“ Ich sagte: „Ich bemühe mich, ich mach das.“ Da sagte der Theunissens Herbert: „Ich helfe dir dabei. Wenn die alle nummeriert sind, nicht das da irgendwas schiefläuft.“ Dann hat der mir immer die Steine angegeben und jedes Mal die Nummer angesehen. Dann hab ich den Altar dahingebaut.


Franz-Josef: Da haben wir den Chorraum ja auch neu gemacht mit den Bodenfliesen, die sind ja auch alle neu reingekommen. Der Blanken wollte die ganze Kirche damit auslegen. Aber da hatten wir kein Geld mehr für, das haben wir dem ausreden müssen.

Und auch mit der Stufe vor dem linken Altar, die haben wir auch alleine hingemacht. Der Architekt wollte das eigentlich nicht. Sollte rechts und links das gleiche sein. Und wir haben gesagt: „Nein, wir machen hier so eine Stufe hin.“ Da kommt der dann später daher und da war die schon fertig, mit Marmorplatten drauf. „Ei, das hatte ich doch nicht angeordnet“, war der am schengen. (lacht) Ja, aber wir wollten das gerne haben, da haben wir das gemacht, fertig, war das da. Ist ja auch heute noch da.

Franz-Josef: Und anfangs wie der Schlösser hier war, da ist der ganze Turm neu mit Kupferblech belegt worden. Da war er nicht mehr grün, da war er braun. Da waren sie alle dran, das wär nicht so schön [das braune Turmdach]. Das kommt wieder, wenn das Kupferblech alt genug ist, dann ist das wieder blau und grün.


Hans-Josef: Mussten das damals auch die Egener bezahlen oder ging das schon über Köln?


Franz-Josef: Weiß ich nicht so genau. Ich nehme aber an, dass das über Köln ging. Die ganze Kirchen-Renovierung von außen, das ist alles über Köln gelaufen. Da ist ja auch eine Firma gekommen, die die ganzen Fugen neu gemacht hat.


Hans-Josef: Ja, das weiß ich noch. Ich weiß, dass damals viele sauer waren: „So viel Geld für eine Kirche“, aber wenn das nicht damals gemacht worden wäre, dann hättest du jetzt eine Ruine da stehen.


Franz-Josef: Jetzt schaffste das nicht mehr … jetzt würdest du die abreißen.


Hans-Josef: Der Schlösser damals, wie ist denn der nach Egen gekommen?


Franz-Josef: Schlösser, der war ja in der Schule in Wipperfürth tätig. Und nebenbei sollte er dann Feiern in Egen machen. Hat der dann auch jahrelang gemacht. Wie der hierhin kam weiß nicht, wer ihm dazu geraten hat. Auf jeden Fall hatte er Interesse daran. Aber auf einmal war der Schlösser weg. Dann hatte der ja um sein Pastorat [in Egen] die ganzen Fichten gepflanzt. Die wuchsen nachher ins Fenster rein, so dicht ans Haus gepflanzt waren die. Und dann sagt der zu uns, da hatte der sich ja nun richtig Arbeit gemacht: „Aber ich kriege jedes Jahr jetzt einen Weihnachtsbaum davon.“ Dann haben wir dem auch jedes Jahr einen Weihnachtsbaum gebracht wie er nachher in Hangelar war. Ich bin noch zig mal nach Hangelar gefahren und hab dem den Weihnachtbaum dahin gebracht. Wir haben was Spaß gemacht und so ein Jedöne, nachts, und morgens früh fuhren wir dann wieder nach Hause. Erwin fuhr mit oder Radermachers Hans. Nachher bin ich alleine gefahren, weil keiner mehr mit wollte. So war das.


Hans-Josef: Ich weiß noch auf der Beerdigung, hast du doch noch eine Rede gehalten auf dem Friedhof. Da waren wir doch mit ein paar man da [in Hangelar].


Franz-Josef: Wir waren mit einem ganzen Bus da! Das war auch ein Ding.


Hans-Josef: Sehr bewegend.


Franz-Josef: „Wir müssen ja jetzt zu der Beerdigung und ich spreche da.“ sagte der Blanken. „Ich spreche da.“ Passte uns schon nicht so richtig, aber wenn er das wollte, dann lass ihn das machen. Vor uns steht der Bus auf dem Egen, wir steigen ein, Pastor fährt nicht mit. „Ja, warum das denn nicht?“ Nein, er wäre nicht gut dran, kann nicht, fährt nicht mit zur Beerdigung. Dann ging es also in den Bus. Ja, wer sagt denn jetzt was? Es sollte aber jemand was sagen, so ohne geht auch nicht. Olli war auch mit, aber der Olli wollte nicht. Sagte der Olli [zu mir]: „Musst du machen.“ „Ihr seid wohl bekloppt“, sag ich. Unvorbereitet soll ich da eine Rede halten. Ich sag: „Stehen da 15hundert Leute…“ „Ja, eher 2000“, sagte der. Ja, ich hab mir was überlegt im Bus, dann hab ich das gemacht.


Franz-Josef: Der Schlösser, der hatte jede Menge Bilder, auch hier vom Egen. Schöne Bilder von der Kirche und so. Und da haben wir nachher gesagt, die wollten wir gerne wiederhaben. Haben wir nicht gekriegt.


Hans-Josef: Ja, das weiß ich noch.


Franz-Josef: Genau wie der Pastor Stark, der hat sich den Ständer mitgenommen. Der Ständer den hatte der alte Lambert, der war ja Schreiner …


Hans-Josef: Der Lambert?


Franz-Josef: Der Lambert vom Kotten. Der hatte eine Schreinerei, den hab ich noch persönlich gekannt, aber da war der schon Rentner. Hatte nur noch seine Bienen. Da sind wir dann mit der Schule hingezogen, wenn er mit den Bienen was hatte. Und da hat er sich dann umgezogen und mit Qualm hat er die Bienen zusammengeholt – das war für uns ein Erlebnis. Der hat ja auch sein Grab auf dem Egen selber noch fertiggemacht. Was jetzt noch auf dem Egen steht, von Lamberts. Und dann hatten wir einen Notenständer von ihm, ganz aus Holz gemacht, mit Verzierungen dran und alles, das war ein wertvolles Ding. Und da habe ich mich gegen gewehrt, dass sie den weg gaben. Ich hab gesagt: „Das bleibt auf dem Egen. Das geht nicht weg.“ Aber den wollte der Stark mit Gewalt haben. Wie ich hörte, dass der Stark gestorben war, da habe ich zu dem [Leo] Haase gesagt, da war der auf dem Egen in der Kirche Küster: „Kümmere dich da drum, dass wir den wiederkriegen, den Ständer.“ Aber der Ständer ist nicht wiedergekommen.


Hans-Josef: Dann ist der Blanken ja gekommen.


Franz-Josef: Da haben wir uns ja an die Rentner gewendet.


Hans-Josef: Woran habt ihr euch denn da gewendet?


Franz-Josef: Ach, da gab es immer so eine Zeitschrift. So und da haben wir dann Annoncen reingesetzt. Und da meldeten die sich drauf, in einer extra Zeitschrift für die Pastöre. So ähnlich wie die Jäger ihre „Jagd & Hund“ haben, so hatten die das, eine eigene Zeitung. Und da war dann auch Werbung drinnen. Da haben wir Annoncen reingesetzt: „Suchen einen Pfarrer, in Ruhe, kleine Pfarrgemeinde, im Bergischen“ und so.


Esther: Und das war abgesprochen mit Wipperfürth?


Franz-Josef: Das war alles geregelt. Wir waren ja eine eigenständige Pfarre, da hatten wir mit Wipperfürth nichts zu tun.


Hans-Josef: Ja, aber vorher habt ihr doch nicht immer selber einen Pfarrer besorgt, das ging doch von Wipperfürth aus, oder?


Franz-Josef: Nein. Wenn die sich dann meldeten, dann haben die selber in Köln angemeldet. „Wir möchten dahin“ und dann bekamen die die Zustimmung oder nicht. Ja, und da hatten wir einen, der war ein belgischer Militärpfarrer, der wollte mit Gewalt nach Egen. Mit Gewalt. Der kam schon mit seiner Haushälterin und bekam das Pastorat gezeigt und alles. Aber der musste noch ein Jahr, oder ein Dreivierteljahr, beim Militär bleiben. Sprach perfekt Deutsch und alles. Aber auf einmal da bekamen wir den Bescheid: „Ich bin Pastor von Egen“. Da kam der Blanken. (lacht) Hatte der sich in Köln gemeldet und da hatten die dem zugeschlagen. Da war das vorbei, da kam der [andere] und war am heulen: „Das tut mir leid, ich hätte mich so gefreut.“


Franz-Josef: Und dann war der Blanken auf dem Egen. Der war auch so schlau, der wusste so vieles, was man verändern musste. Wir waren aber nicht unbedingt gegen alles, meistens damit einverstanden, was er da hatte. Es gab ein Küsterpaar, Familie Haase, und die wollten eine Garage haben. Ja, wo sollte die Garage hin? Die wohnte ja zu der Zeit in dem Küsterhaus [Egen 11]. Da wuchsen die Zweige vom Pastor Schlösser in die Fenster rein und durften nicht abgemacht werden. Der Pastor sagte: „Nein, wir lassen die da wachsen, das ist Natur. Dass die Bauern immer alles kaputt machen müssen. Die wollen nur die Bäume kaputt machen!“ „Herr Pastor,“ hab ich gesagt, „das lassen wir uns nicht bieten. Was sie hier sehen an Wäldern, das haben die Egener Bauern alles angepflanzt und hart dafür gearbeitet. Und sie sagen, wir machen das kaputt?“ „Ja sehen sie doch, sie wollen doch hier Zweige abschneiden. Das machen wir nicht!“ „Ja, aber die Garage muss da unten hin, da müsste man drei oder vier Bäume wegnehmen“, sagte der Helmut. „Nein! Kommt nicht in Frage,“ sagte der Pastor wieder. Ja, da war das Ding erstmal gestorben. Den anderen Tag,

oder zwei, „kommt der [Blanken] an“, erzählte der Helmut [Beul], „hat mich angesprochen, dass ein Fachmann kommen und sagen müsste, welche Bäume da weg könnte, da wo die Garage hin sollte. Da müsste ein Fachmann kommen, da hätten wir keine Ahnung von.“ Darauf sagte der Olli [Helmut Beul] dann: „Welchen Fachmann nehmen wir da? Sollen wir den alten Janßen [Vater von Karl-Heinz Janßen] einmal fragen?" (lacht) Da haben wir den Janßen gefragt und der kam rauf den anderen Tag, hat mit dem Pastor gestrunzt und sowas. Ja, er wolle ja mal gucken wo die Garage denn hin könnte und so. „Ja, Herr Pastor, da müssen die Bäume“, die Bäume die wir auch hatten, „die müssten dann wenn möglich weg, dann könnte man die Garage da schön rein machen.“ Hat er noch was gestrunzt mit dem [Pastor]. „Ja, der Mann, der hat eine Ahnung!“, hat der [Blanken] gesagt, „der kann die Bäume wegmachen, aber die Mann, der hat eine Ahnung.“ (lacht) Wir haben uns kaputt gelacht. Dann haben wir direkt die Bäume abgeschnitten und die Garage dahin gesetzt.

Hans-Josef: Danke, Franz-Josef. Jetzt hat Esther erst einmal genug zu tun.


Esther: Jetzt hab ich genug zu tun. Aber es war wirklich spannend, vielen lieben Dank!


Ende

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